Sonntag, 11. Dezember 2016

Merkel - das Fleisch gewordene Postfaktische

Postfaktisch. Diese Vokabel zum Wort des Jahres zu küren, ist ein Beweis dafür, dass es eine Elite tatsächlich gibt, ein Die-da-oben, dass dieses Establishment offensichtlich selbst diese Neuwort-Findung bestimmt. Und dass diese Elite weiß, was sie tut, und keineswegs (nur) abgehoben ist und - der realen Welt fremd - weltfremd handeln und sprechen würde. Nein ... denn sie wissen, was sie tun.

Postfaktisch, sagt diese Elite, ist ein Phänomen der Rechten, der Rechtspopulisten, der Dumpfbacke-Szene. Nur diese Sorte Politiker nutze postfaktische Fakten, nur deren Wählerschaft lasse sich abspeisen mit Lügen, Unwahrheiten - mit Postfakten, will meinen Falschfakten.

Hmmm!? War nicht die Wählerschaft dieser "Rechten" nicht vorher die Wählerschaft der "Etablierten"?

Und mit welchem Trick (!?) haben diese Etablierten diese ihre Wähler einst auf ihre Seite herübergezogen?

Wir ahnen es nicht nur, wir wissen es: Der Trick war der kreative Umgang mit Halbwahrheiten.

Wer also bedient sich dieser Trumpfkarte "postfaktisch"?

Politiker. Jeder, aber wirklich ausnahmslos jeder Couleur.

"Wir schaffen das!" Postfaktischer geht kaum.

"Yes, we can!" Ist deshalb noch eine Idee postfaktischer, weil 2016, post-Obama also, inzwischen "faktisch" ist, was für viele, als er damals angetreten ist, schon gefühlt keinem Fakt htte standhalten können.

Der Vokabel "postfaktisch" werden wir aber nur gerecht werden können, wenn wir gleichzeitig auch den Umgang mit Statistiken beleuchten. Ganz aktuell: Nimmt die Kriminalität zu oder nicht zu, seit 850.000 Fremde im Land sind?

Asyl-pro-Menschen sagen: "Die Statistik zeigt, dass Gewaltverbrechen (gegen das Leben - und sexuelle Übergriffe) nicht zugenommen haben, und das der Beweis ist, dass die Flüchtlinge im Schnitt nicht krimineller sind als der deutsche MANN AN SICH."

Das nenne ich postfaktisch, weil sich dabei nämlich im Verschweigen, dass in anderen Bereichen sehr wohl die "Neuen" krimineller sind, geübt werden muss.

Asyl-pro-Menschen sagen: "Pfui, wie Ihr anderen gelogen habt mit eurer fälschlicherweise prognostizierten Million Flüchtlinge im Lande. Wo es doch NUR 850.000 waren."

Auch das nenne ich postfaktisch: 850.000 sind so gut wie eine Million und damit keineswegs wesentlich weniger Flüchtlinge, weshalb das Ganze trotzdem etwa 20 Mrd kosten wird. Pro Jahr. Die wir auf Dauer - zusammen mit unserer schwarzen Null - nicht haben werden! Nicht ohne eigenen (!) Verzicht, zumindest.

Menschen jeder Parteizugehörigkeit sagen bis heute: "Schröders Agenda 2010 war ein Segen für dieses unser Land, das heute besser dastehe als damals. Und allen Deutschen geht es besser als damals."

Andere Menschen - auch diese jeder Parteizugehörigkeit - sagen bis heute: Schröders Agenda hat die Oben noch reicher gemacht - und dies auf Kosten der kleinen und dadurch jetzt abgehängten Leuten.

Ja was nun? Welche dieser beiden Aussagen ist postfaktisch? Meine Antwort steht fest: Das Geschwätz der Neoliberalen, die sich nach meiner Jugendzeit aus den dunklen Löchern einer für sie feindlichen sozial-liberalen Umwelt herausgewagt haben und sich in allen politischen Lagern vermehrt haben wie die Karnickel, ist postfaktisch.

Die Neoliberalen wiederum werden mir drei heiß gestrickte Statistiken entgegenhalten, die beweisen, dass der Sektor mit Sklavenlöhnen nie nicht (!) gewachsen ist, sondern, ganz im Gegenteil, seit Jahren schrumpft. Dass Kindersarmut nur deshalb wächst, weil das mittlere Gehalt hierzulande sprunghaft angestiegen ist, und damit auch der Prozentsatz der Armut, der an dieses Gehalt rechnerisch gekoppelt ist.

Bedeutet "postfaktisch" demnach nichts anderes als "statistisch belegbar - und trotzdem strittig"?

Ja! Und damit ist das Wort so alt wie die Welt, und jeder hat es schon einmal angewendet und praktisch umgesetzt.

Und damit schrumpft die Wahl dieses Wortes zu einer billigen (!) politischen Kampfansage an "die Rechten" zusammen - und soll wohl nur vom eigenen faktengebeugten Populismus der letzten Jahrzehnte, der postschröderschen Zeit, ablenken.

Und ganz unter uns gesagt: Ein Politiker, der nach Hormonlage regiert - und genauso wankelmütig, wie das unser amtierender Kanzler tut, der kann nicht anders, der muss einfach postfaktisch sein.

PS: Wer sich tiefer ins Thema schaffen will, sollte sich mit unserer Arbeitslosenstatistik befassen und sich selbst die Frage stellen, ab welchem zusätzlichen Herausrechnen weiterer Arbeitslosengruppen diese öffentlich kolportierte Prozentzahl spätestens postfaktisch geworden ist. Zum Beispiel hier:

 

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