Freitag, 18. Juni 2010

Weltmeisterschaft: mauern statt häkeln!

Forscher haben jetzt der spanischen Mannschaft den Gewinn der Europameisterschaft 2008 vorausgesagt. Diese Prognose ergäbe sich zwangsläufig aus der Auswertung der Netzwerkdaten: Die Mannschaft mit den meisten Ballkontakten dominiert den Gegner - die Mannschaft mit den meisten Toren, gewinnt das Turnier. - So ein ausgemachter Unsinn: Italien wurde mit drei Turnier-Toren Weltmeister, lass es vier gewesen sein. Das ist die Hälfte von dem, was Holland in den ersten zwei Spielen geschossen hat. Und die haben sich die zweite Hälfte des Turniers von zu hause aus angesehen. Netzwerk, lächerlich: Wer ein Weltmeister werden will, mauert , was das Zeug hält, und häkelt nicht. Und was mal aussieht wie gehäkelt , ist ein klassisches italienisches Foul, das man bei allen anderen pfeifen würde.

So geht Fußball.

Und so zeichnet sich eine ganz neue Entwicklung in der Wissenschaft ab: Prognosen sind riskant – auch wenn sie sich auf die Vergangenheit beziehen. Spiele kippen nun mal, Ergebnisse stellen Verläufe auf den Kopf. Ein Fehler kann das Spiel entscheiden. Der Schiedsrichter verpfeift es, die Italiener machen ihren Titel wie immer auf dem Weg durch die Instanzen klar. Oder der Spieler der Elfenbeinküste, den sie ihren Stürmer nennen, weil er immer ganz vorne rumsteht, kriegt den Kopf nicht schnell genug weg, und so nimmt der Siegtreffer seinen unaufhaltsamen Lauf – oder war das Burkina Faso? Oder was war mit dem Platzfehler, der den englischen Keeper zum Deppen seiner Nation macht und seine Mannschaft vielleicht aus dem Turnier wirft?

Dafür lieben wir Fußball.

Und Spanien ist raus – zumindest aus der Wertung (der Herzen), denn wer gegen die Schweiz verliert, darf kein Weltmeister werden, das wäre unanständig. Vielleicht doch noch ein Wort zur deutschen Mannschaft – und das (riskant, riskant) fünf Stunden vor ihrem zweiten Spiel: Die haben gegen Australien gewonnen, standesgemäß. Mehr war nicht. Mit vier Toren, weil weniger gegen drittklassige Australier, die dafür ganz gut Hockey spielen sollen, nicht geht. Das sind aber mehr Tore, als Italien für ein ganzes (erfolgreiches, wohlgemerkt) Turnier braucht. Also. Hoffentlich haben sie (wir) nicht schon ihr (unser) ganzes Pulver verschossen? Fragt ein ängstlicher Fan. Aber Jogi hat die Daten der Wissenschaftler längst auf dem Tisch. Und trotzdem - er greift lieber auf eine Erfahrung zurück, die er seiner Mutter zu verdanken hat, und die ihn seit seiner Kindheit noch nie betrogen hat: mit Nivea flutschst.
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