Montag, 3. Oktober 2011

einem kranken Staat ist nicht zu healthen

Einen armen Staat können sich nur die Reichen leisten.
Der Satz ist leider zu gut und zu wahr, als dass er von mir sein könnte. Doch viele wahre Zusätze fallen mir dazu ein. Z.B.: Nur in einem armen Staat lässt sich trefflich im Trüben fischen, denn ein armer Staat hat keine schlagkräftige Steuereintreibbehörde mehr und nur noch schlecht bezahlte und völlig überforderte Polizisten, die nebenher Geld verdienen müssen: zunächst mit 400-€-Jobs, irgendwann dann Schmiergelder in den Diensten Reicher.
Nur in einem armen Staat reicht es für die Rente nicht und lässt sich geile Kohle verdienen an "privater Vorsorge". Ein armer Staat hat auch keine Stromnetze mehr und muss seine Bürger den Erpressungen der Energiekonzerne überantworten. Ein armer Staat hat auch keine vernünftigen Schulen mehr, und die Nachhilfe-Konzerne lachen sich tot darüber und verdienen ein Milliarden-Vermögen.
Um mit den Reichen und Mächtigen mitpinkeln zu können, lässt sich schließlich demnächst auch noch der letzte aufrechte Politiker korrumpieren und von Lobbyisten-Bräuten ins Lotterbett zerren. Mit der Aussicht, nach ihrem Mandat dazugehören zu dürfen. Siehe Schröder und 20 Prozent seiner grün-roten Riege.
Gerade wird ein gigantisches Exempel statuiert, das - mit etwas Glück für uns Otto-Normalos - vielleicht ungewollt zu einem gigantischen Feldversuch gerät, der den Ungläubigen unter uns und den gläubigen Neoliberalen unseres Landes darüber die Augen öffnen könnte: Griechenland!
Wie gesagt: Einen armen Staat können sich nur Reiche leisten. Und deshalb werden dort die nächsten Jahre die Reichen steinreich werden, und der Rest der Bevölkerung wird auf Harz-IV umlernen und zu uns auswandern müssen.
Steinreich im direkten Wortsinn: Denn irgendwann wird auch die Akropolis der Onassis-Tochter gehören oder einem ihrer Freunde.
Der Weg ist dabei (in "Demokratien") immer und überall derselbe: Man widmet die dem Staat geschuldete Steuer ganz legal (!) in ein Stiftungsvermögen um, aus dem man zur einen Hälfte seine Lobbyisten bezahlt, zur anderen Hälfte Gesetze entwickeln und vorformulieren lässt, die vom Parlament dann wörtlich übernommen und von der Regierungsriege zwischen der Prostata und der Blase des Stiftungspräsidenten - nennen wir ihn Herrn Mohn und seine Stiftung Bertelsmann-Stiftung - ratifiziert werden.
Glaubt mir keiner? Selber blöd! Und verblödet.
Selbst die US-amerikanische Jugend hat es jetzt gerafft, eine Spezies, von der viele von uns glaubten, die gibt es ja gar nicht mehr, die Kinder dort kommen doch als erwachsene Juppies auf die Welt oder als krimminelle Junkies, die sich vom ersten Tag an schon schwarz geärgert haben.
Das letzte Mal, als die auf die Straße gegangen sind, hatten sie Blumen in die ungewaschenen Haare geflochten und sind mit verklärtem Blick dem nächsten Joint hinterhergeschwebt, bis ein pickelgesichtiger Joschka in Frankfurt zu seiner Mutti gesagt hat: Ich wasch mich ab morgen auch nicht mehr.
Das waren noch Zeiten: Gegen den Krieg und die Bonzen war er da, der Fischer. Bis er von den Neoliberalen gefressen wurde. Mit (pickliger) Haut und (ungewaschenen) Haaren.
Inzwischen haben sie seinen Klon längst wieder ausgespuckt und lassen den seitdem ihre Drecksarbeit machen. Denn Lobbyarbeit ist Arschkriecherei und Speichelleckerei pur: Zunächst kriecht der Lobbyist, bis er seine Klientel gefügig und schließlich abhängig gemacht hat, bis diese Klientel endlich um Zutritt in seinen Allerwertesten winselt - den Rest ihres Junkie-Daseins.

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