Mittwoch, 20. Oktober 2010

Merkels Scripted Reality

 „Scripted Reality“, das sind dokumentarisch und echt wirkende Geschichten, denen Drehbücher zugrunde liegen. Es hätte uns klar sein müssen: Jede Verarsche im Fernsehen hat auch einen Namen, und weil das Herkunftsland jeden Fakes die USA oder England ist, ist es ein amerikanischer Name.
Dass diese Soße von den Tellern der Privaten auf das Tischtuch der Öffentlich-Rechtlichen tropft, befürchten Leute, die es noch ernst nehmen mit der Wahrheit.
Dabei hat "Scripted Reality" eine lange Tradition. 1987 kam Rudi Carrell mit Herzblatt und ließ die Kandidaten auswendig gelernte Spontan-Stehgreif-Witzchen aufstottern. Und keiner hats gemerkt? Los ging es aber 1984 mit der Geburt von SAT1. Ein Highlight der ersten Stunde: Mertes stellt mit brutalstmöglichen Fragen Kanzler Kohl bloß. Die Drehbücher verfasst von der Redaktion und dem Kanzleramt, später allein vom Kanzleramt, dann nur noch von Kohl. Scripted Reality der übelsten Sorte.
Heute ist Scripted Reality ein Synonym für Fernsehen schlechthin - Recht hin, Öffentlichkeit her. Und weil es so erfolgreich ist: - es manövriert schließlich unsere bildungsfernen 80 Prozent durch die Unbilden des Unbegreiflichen - hat seit Schröders "Basta" (eines der erfolgreichsten Manuskripte bundesdeutscher Realityshows überhaupt) kein Politiker jemals wieder ein vorher ungeschriebenes Wort gesprochen. Wissentlich. Nur Köhler nicht! Der kannte seine Manuskripte vorher gar nicht. Die hatte ihm von Anfang an Merkel gwschrieben.. Und die deutsche Politikerkaste hielt gespannt den Atem an, als er seinen letzten Text sprach (vorlas):
Ich trete zurück .... (sieht erstaunt aufs Blatt) ... mit sofortiger Wirkung.... (sieht entrüstet seine Frau an und schweigt dann - für immer),
denn alle dachten, jetzt haben es auch die Dümmsten im Lande gemerkt..
Die Sorge war völlig unbegründet..

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