Samstag, 24. Oktober 2009

Schweinegrippe, die II.

Wer den Wortbeiträgen in den Medien zum Thema "Schweinegrippe" aufmerksam gelauscht hat, wird festgestellt haben, dass Meinung nicht von den Fachleuten sondern von Rhetorik-Profis gemacht wird. Speziell von solchen Rhetorik-Profis, die auf Plattformen wie Talkshows, Fernseh-Interviews und Diskussionsrunden geschult sind.
Und so wundert es nicht, dass ein Professor, ein Fachmann auf seinem Gebiet, oft d e r Fachmann weltweit, in solchen Talkrunden hilflos erscheint wie ein Kind.
Derselbe Mann, der einen vollen Hörsaal mitreißen kann, der seine Fachkollegen mit drei, vier brillanten Formulierungen zu überzeugen weiß, geht nach dem Politiker, dem Funktionär einer Vereinigung wie etwa Greenpeace, dem Fachjournalisten des ausstrahlenden Senders und dem Moderator (der in erster Näherung eine Moderatorin ist) immer nur als fünfter Sieger vom Platz. Und bestimmt nicht, weil er die schlechteren Argumente hätte. Nein! Ihm fehlt schlicht und ergreifend die Fachsprache, die es im Fernsehen inzwischen braucht, um den Zuschauer zu erreichen.
Völlig unvorbereitet trifft einen Wissenschaftler zudem der im universitären Umfeld so nicht erlebte Umstand, dass eine Moderatorin ihn dann sofort unterbricht, wenn sie glaubt, ihre Zuschauer könnten seinen Ausführungen geistig nicht folgen, was sie immer dann vermutet, wenn sie selbst nicht mehr im Bilde ist. Ein Wissenschaftler kommt mit seiner Message deshalb nur selten "rüber". Auch - übrigens - weil er keine hat! Er hat stattdessen Fakten, hat Forschungsergebnisse. Damit die Welt zu verbessern, sieht er nicht originär als seine Aufgabe. Und ist deshalb denen, die immer nur die Welt verbessern wollen, die also eine Message haben aber nur selten Fakten und Forschungsergebnisse, unterlegen, weil die Peilsender der Zuschauer nur noch auf "Message" ausgerichtet sind: Think big and simple! Und ich folge dir, weil mein Hirn es kann.
Ein Wissenschaftler lässt sich aber nicht auf Schlagworte reduzieren. Dagegen steht seine naturwissenschaftliche Erfahrung, die ihn gelehrt hat, dass die Zusammenhänge viel komplexer sind.
Ein Glücksfall sind Wissenschaftler, die wenigstens einigermaßen mithalten können, wenn es in die Öffentlichkeit geht. Prof. Jörg Hacker, Präsident des Robert-Koch-Instituts ist ein solcher. Was man von seinem Kollegen vom Paul-Ehrlich-Institut jetzt nicht wirklich behaupten kann.
Und trotzdem: auch Hacker konnte seine wichtigste "Message" in der Talkrunde bei Illner letzten Donnerstag im ZDF nicht wirklich wirkungsvoll platzieren. Deshalb sei sie hier noch einmal wiederholt. Hacker (sinngemäß):
"Wir Molekularbiologen wissen eben, weil wir sein Genom kennen, dass das H1N1-Virus genau e i n e Punktmutation von einem Virus entfernt ist, das pandemisches Potential haben wird."
Deshalb ist Impfung so wichtig - um mit jedem Geimpften dem H1N1 ein weiteres Stück Nährboden zu entziehen, auf dem seine mörderische Saat Früchte tragen könnte.

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