Sonntag, 12. Mai 2013

Kreiswehrersatzämter heißen jetzt Karrierecenter

  Kreiswehrersatzämter heißen jetzt Karrierecenter! Mamas hören jetzt auf den Namen Kindertagesstätte. Ne Nutte darf sich unwidersprochen Pretty Woman nennen. Arbeitsämter Jobcenter. Eine Quattro Stagioni gilt als ein italienisches Vier-Gänge-Menü, nicht unter 20 Euro zu kriegen. Bayer, der Pharmariese, ruft sich jetzt selbst Bayer  (mit ä j, wie in Global Pl ay er), und zieht dabei nicht nur seinen Schwanz ein sondern die Äjer gleich mit - vor Amerika. 
Die Bundeskanzler dieses Landes nennen sich jetzt und die nächsten 65 Jahre - denn Mädchen werden in diesen Zeiten 120 und mehr - "die Kanzlerin". Und 30 Prozent der Kaufmänner werden dank der Quote Kauffrauinnen heißen, die ihr Fach von der Picke auf gelernt haben - und auf Pfennigabsätzen, als gelangweilte Weibchen von Alpha-Männchen in den angesagtesten Schuhläden der geilsten Einkaufsmeilen dieses Landes - als Kundinnen, natürlich.
Und die Bundesrepublik Deutschland nennt sich jetzt Deutschland. Noch Fragen?
Nein? Genau: Griffe ins Klo nennen ihre Macher heutzutage suboptimale Aktionen.

Endlich billiges Wasser!

 Die Wasserwirtschaft wird privatisiert. Hurra, dann wird es billiger, das Wasser! Wie alles, was die Privatwirtschaft bislang angepackt hat. Hrrr, hrrr! 
Nun gut, manche Gegenden werden verdursten, und die Leute dort, weil sich die Leitungen dorthin nicht mehr rentieren. Auch können schon mal die Standards ein wenig leiden: Sand in den Leitungen, etwa, oder Scheiße. 
Anfänglich. 
Dann gibt es Wasser aus logistischen Gründen eh nur noch aus Flaschen. Und in diesen sind dann noch ganz andere Keime, die die Wasserindustrie-"Mitarbeiter" - Neoliberale nennen "das" lieber Inhumankapital -  eintragen, weil sie in 14-Stunden-Schichten ohne Schutzkleidung das Wasser für Deutschland aus chinesischen Jauchegruben herausdestillieren müssen, für 3 Yuan die Woche, direkt mit dem Mund, an Kochstellen mit offenem Feuer. 
Aber immerhin: Der Preiskampf unter den Wasserbesitzern führt zu Dumping-Preisen, denken wir. Selig die Armen im Geiste. Gegen versaute Gewinne hat Homo gierikus schließlich Kartelle erfunden. Doch nicht für Wasser, mutmaßen wir selig aber geistarm weiter. 
Aber hallo! 
Ich sag nur Kartoffel! Denn inzwischen wissen wir: Zwar haben die dümmsten Bauern die dicksten Kartoffeln, die gerissensten aber die teuersten. 

Freitag, 10. Mai 2013

Nur harte Gesetze erzeugen Moral

  Die Märkte untergraben unsere Moral. Während wir als Einzelpersonen unser Kaufverhalten oft dahingehend abklopfen, ob wir damit einen anderen schädigen, gehen diese moralischen Standards offensichtlich dann verloren, wenn wir uns mit mehreren Käufern und Verkäufern im selben Markt tätig wissen. Dann greifen plötzlich Argumente wie diese: "Wenn ich nicht kaufe, tut es ein anderer." Außerdem: "Was soll ich als Einzelner dagegen schon ausrichten können?" 
Der Einzelne kann sein schlechtes Gewissen also erleichtern, weil er sein Fehlverhalten  mit dem Fehlverhalten der anderen rechtfertigen kann.
Dieses Verhaltrn macht aber nicht beim Kauf eines viel zu billigen T-Shirts halt. Auch beim "Umgang" mit seinem Finanzamt weiß man sich mit vielen Steuerzahlern "einig", dass man als "Kleiner" die Steuerhinterziehung der anderen nicht verhindern kann - und schlimmer noch: auch nicht die eigene! 
Aber so neu ist das alles ja nicht. Ein Gemeinwesen, das auf die Moral des Einzelnen aufbaut, endet nicht nur zwangsläufig, sondern ist von Anfang an reine Anarchie. Das Recht des Stärkeren, des Schnelleren, des Gewitzteren - des Skrupelloseren. 
Das ist das, was eine freie Marktwirtschaft ausmacht - und ihre Macher erschöpfend charakterisiert.
Deshalb: Liebe Politiker, die ich euch gewählt habe: Das moralisches Verhalten jedes Einzelnen von uns zu stärken, ist eure edelste und vornehmste Aufgabe: durch Gesetze und Verbote - und strafbewehrte Bürgerpflichten. (Nur dann klappt's auch mit dem Nachbarn).
Alles andere ist Anarchie: Anarchie von Unternehmern und Konzernen, die die hierzulande verbotene Kinderarbeit einfach in die Bananenrepubliken dieser Welt exportieren, die die hierzulande verbotene Umweltverschmutzung ungeniert über Drittländern auskübeln, die ihre Arbeitnehmer opfert, wie das hierzulande nur zur vorletzten Jahrtausendwende noch die Regel war.
Wer glaubt, dass es der freie Markt schon richtet wird - der hat ja so recht. Und dieser Glaube mündet naht- und skrupellos in das 1. Gebot dieser religionsgleichen Menschheitsphilosophie: "Du sollst keine fremden Scharfrichter neben mir haben."


Freitag, 3. Mai 2013

Weltkulturerbe: der im Stehen bewunderte Nachthimmel

Der Nachthimmel soll zum Weltkulturerbe erhoben werden.
Wie bitte? Diese Frage scheint berechtigt, ist doch der Himmel über uns allen und wird es auch bleiben, sollte man meinen.
Jedoch, weit gefehlt: Der Nachthimmel ist längst nicht mehr das, was er einmal war. In München sieht man selbst in den klarsten Nächten nur noch maximal 400 Sterne. Auch nicht mehr auf der Wies'n, nicht einmal nach dem letzten Maß.
Erst wenn man von München aus in die Ausläufer der Alpen hinauffährt, werden es mehr. Doch um die ganze himmlische Herrlichkeit genießen zu können, muss man schon weiter reisen. Ans Ende der Welt, quasi: ins Hochland von Chile, beispielsweise, oder in eine der trockenen Wüsten, fern ab jeglicher menschlicher Behausungen, fern ab menschlicher Nacht-Verschmutzung.
Die Welt in Flammen.
Ob dies der erste Mensch wohl bedacht hat, als er als erster einen noch glimmenden Stock aus der Asche eines durch himmlisches Feuer niedergebrannten Waldes gezogen hat - und anschließend der Hüter des Feuers seines Stammes wurde?
Wohl kaum. Und auch wenn es so gewesen wäre, nichts auf dieser Welt lässt sich jemals rückgängig machen. Nichts lässt sich aufhalten, nichts wieder eindämmen.
Vergangen, vorüber, verloren.
Nur noch ein Denkmal können wir setzen, ein Mahnmal, das uns daran erinnern soll, wie es gewesen wäre, wenn? ...
Wenn Schröder ohne Frauenwahlrecht zur Wahl hätte antreten müssen, wenn Schwule nicht ihren Status des Exotischen eingetauscht hätten gegen Pampers und Kinderkacke -
wenn der Mann weiterhin im Stehen pinkeln würde.
Ja, auch diesem im Stehen pinkelnden Mann, diesem Urgestein - mit dem weltvergessenen Blick hinauf zu den Sternen, mit jenem sanft hingehauchten Seufzer der Erleichterung auf den Lippen, der Gewissheit geschuldet, den Frauen dieser Welt das Feuer gebracht zu haben, gebührt ein Denkmal. Denn nichts war kulturübergreifender, nichts würdiger, ein Weltkulturerbe geheißen zu werden, als diese aufrechte und ehrliche Art des Wasserabschlagens.

Donnerstag, 2. Mai 2013

Die Fettleber: Sie ist eine von uns

  Die Fettleber ist in der Mitte unserer Gesellschaft angekommen, heißt es blumig Und wir lieben sie, wie alles, das uns ähnelt: fett, schwammig, lappelig - und verfressen. Denn sie kommt nicht mehr mit dem Bierkutscher, wie noch in den guten alten Zeiten, auch nicht mehr im Schlafabteil des öffentlichen Verkehrs. Nein sie kommt mit Wohnmobil - umgebaut zur Frittenbude-Eisdielen-Combi. Für den kleinen Hunger zwischendurch.
Warum? Weil nur das hundertprozentig funktioniert. Keiner käme schließlich auf die Idee eine Gans mit Alkohol zu mästen oder sie mit einer Hepatitis-infizierten promiskuitiven Kollegin zu triggern.
Nein, hier setzt der polnische Bauer auf das wirksamste aller Mittel: Nahrungskalorien: Kohlenhydrate, gern auch Fett - auf jeden Fall viel - am besten zu viel. Und das täglich.
Also heißen wir sie in unserer Mitte willkommen. Solange noch Zeit dazu ist. Denn das Stopfen von Gänsen ist EU-weit bereits verboten. Das Stopfen von Dummköpfen aber nicht - noch nicht.

Dienstag, 30. April 2013

NSU-Prozess. Klappe, die dritte!

  ...... Ich bin nicht sicher, ob man mein Dauerkopfschütteln hier gesehen hat? Nein? Nun gut, Kopfschütteln ist ja auch nur das Standpunkt-Beziehen von Feiglingen. Ich neige da mehr zu "Hassknecht"
Die Journaille kann mal wieder keine Ruhe geben: Da wird ganz am Anfang der Geschichte solange gerührt, bis aus der ganz normalen Unfähigkeit der Polizei, den Nichtbeziehungs-Taten von Einzeltätern  g e z i e l t auf die Schliche zu kommen, das Bild eines Staates entsteht, der rechtes Gedankengut pflegt und "mit klammheimlicher Freude" rassistische Gewaltverbrecher gewähren lässt. 
Was jetzt bislang ahnungslose und uninteressierte Türken im In- und Ausland auf den Plan ruft, die eine von ganz oben vielleicht nicht gelenkte, aber doch passiv unterstützte Jagd auf ihre Landsleute wittern. 
Was sie allerdings nicht veranlasst, sich rechtzeitig um einen der Sitzplätze zu bemühen, von denen aus man den NSU-Prozess verfolgen könnte. Müssen sie auch nicht, wissen sie, die deutsche Journaille wird' s nämlich richten. Und in der Tat, die Journaille wettert türkenfreundlich-pflichtbewusst gegen ein Windhundverfahren, das allen seriösen und wirklich interessierten Medien einen Platz beschert hatte. Bis auf die verpennten Türkenblätter.
Ergebnis: Die Vierte Macht im Staat erzwingt von der Dritten Macht im Staat ein Aufgeben von rechtlich untadeligem Verhalten.
Dann wurde das Losverfahren angekündigt, und die Journaille hielt kollektiv ihr Maul, rieb sich aber da schon klammheimlich die Hände. Und statt sich im Vorfeld um die eigene Hygiene zu kümmern, und z.B. der Frage nachzugehen, warum ein reines Anzeigenblatt ohne jegliche Erfahrung im Gerichtsjournalismus und mit keiner Zeile Platz für die entsprechende Berichterstattung sich genauso am Losverfahren beteiligt wie "Brigitte", die sich da bislang auch noch nicht mit Ruhm bekleckert hat?
Warum, weil die Randale jetzt, ein Tag nach der Verlosung viel medienwirksamer und damit finanziell wesentlich einträglicher ist.
Und wieder wird die Journaille klagen, wird zu diesem Zeitpunkt längst vergessen haben, dass wir diesen Schlamassel, nein,  nicht den Türken zu verdanken haben, sondern denen, die ihnen freiwillig und ohne Not - ja, ganz eindeutig auch die Rotröcke - auf den Leim gegangen sind.
Das Gerangel um "den rechten Weg" wird mit dieser neuen Klage aber nicht aufhören, eher baut man in München ein Gerichtsgebäude, das endlich alle fassen kann, die "dem hässlichen Deutschen" beim Recht sprechen auf die Finger sehen wollen. Die Allianz-Arena würde sich daneben wie eine Kinderreitschule ausnehmen. 
Bis dann endlich der Gerichtspräsident doch noch den Rechtsraum verlassen und namentlich bestimmen muss, wer kommt und wer draußen bleibt. Weil dann endlich Geld fließen wird, das die Großen und Bedeutenden wieder  in ihre von Finanz wegen angestammte Poleposition bringen wird. 
Nur die Türken werden nicht zahlen müssen, das gebietet die deutsche Gastfreundschaft. Und wenn sie nach den ersten Verhandlungstagen - nichts ist langweiliger und weniger erhellend als Gerichtsverhandlungen, weiß ich aus eigener journalistischer Tätigkeit - keinen Bock mehr auf Berichterstattung haben werden, können ja freundliche deutsche Kollegen ihre Mitschriften nach Istanbul faxen. 

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